Die streitlustigen Nachbarn


Sie sehen heute so friedlich aus und waren sich doch einst spinnefeind: Nur durch ein Flusstal getrennt liegen die beiden Burgen von Manderscheid direkt gegenüber, zwei prächtige Eifel-Ruinen, die nicht besser hätten platziert werden können. Ihr Anblick bringt Besucher ins Schwärmen und Naturgenießer in Verzückung, die hier ein wunderbares Plätzchen zum Verweilen finden.

Sie hätten vermutlich ihr blaues Wunder erlebt, wenn sie im Hochmittelalter Station gemacht hätten. Jahrhundertelang bekriegten sich die Nachbarn bis aufs Messer, konnten die von der Oberburg jene in der Niederburg nicht riechen. Es war ja auch kein Zufall, dass zwei wehrhafte Gemäuer so dicht beieinander standen. Das Tal der Lieser, das zwischen ihnen lag, war nicht nur eine Burgen-, sondern eine Landesgrenze: Hier stießen das Herzogtum Luxemburg und das Kurfürstentum Trier aneinander – und immer wieder auch brutal zusammen.

Die Oberburg hatte 1147 der Bischof von Trier unter seine Fittiche gebracht, die Niederburg hingegen verwalteten die Grafen von Manderscheid, die als Vögte der Abtei Echternach luxemburgische Interessen vertraten. Geistliche Hoheitsgebiete, wie es sie zu Hauf gab im Heiligen Römischen Reich. Die Kirchenfürsten gaben sich überaus weltlich in ihren Territorialansprüchen und schreckten auch vor Gewalt nicht zurück.

Einer der mächtigsten Bischöfe war Balduin (1285-1354), Kurfürst von Trier und Königsmacher, an ihm kam fast kein Machthaber in jener Zeit vorbei. Von 1346 bis 1348 belagerte er mit seinen Truppen die Manderscheider Niederburg, ein neuerlicher Versuch, den Nachbarn in die Knie zu zwingen.

Es gelang ihm nicht, auch weil Graf Wilhelm V. von Manderscheid die untere Burg zuvor zu einer fast uneinnehmbaren Festung ausgebaut hatte: Noch heute ist sie ein imposantes Ensemble aus Wehrmauern und Türmen, vorgelagerten Verteidigungswällen und Wohnbauten. Wilhelm V. machte aus der Niederburg fast eine Burgenstadt und nahm den darunter liegenden Ort Manderscheid gleich mit hinein in die Wehrmauern. Es war eine Siedlung von fleißigen Tuchmachern, deren Wollprodukte bis weit über die Grenzen bekannt waren.

Niederburg Manderscheid am Lieserpfad, Eifel

Blick auf die Niederburg in Manderscheid vom Lieserpfad, Eifel

Wer heute durch Manderscheid fährt, blickt noch immer an einer majestätischen Burgmauer empor, vor der die gelb-roten Flaggen der Region wehen, mit Wappen aus einer glorreichen Vergangenheit, die hier besonders präsent ist. Jedes Jahr im August wird auf der Niederburg ein großes Ritterfest gefeiert, mit Schaukämpfen und Spielleuten, die die Besucher in die Zeit des Mittelalters entführen.

Gelb-rote Fahnen vor der Niederburg Manderscheid, Eifel

Gelb-rote Fahnen vor der Niederburg in Manderscheid, Eifel

Manderscheider Burgen, Eifel

Blick auf die Ober- und Niederburg in Manderscheid, Eifel


1673 wurde die Oberburg zerstört, 1794 die Niederburg von französischen Truppen angegriffen. Sie wurden nicht wieder aufgebaut, die Zeit der Ritter und ihrer Trutzburgen war vorbei. Was übrig blieb sind ihre Ruinen, die bald schon die Romantiker für sich entdeckten sowie die Wanderer des Eifelvereins, der über 100 Jahre lang die Niederburg verwaltete.

Ihr zu Füßen liegt ein Burgcafé, dessen hausgemachte Kuchen eine Verlockung sind. Weiter oben geleiten auf Wunsch Burgführer die Gäste durchs Mittelalter, gegen einen geringen Obolus kann man auch ohne Begleitung durch die Niederburg spazieren.

Gänzlich frei zugänglich ist hingegen die Oberburg. Ihr Bergfried kann wieder bestiegen werden. Danach hat man einen Eindruck davon, wie es damals war, als die einen den anderen aufs Haupt schauten und einen Steinwurf voneinander entfernt Schlachtpläne schmiedeten.

Außenansicht Burgencafé Manderscheid, Eifel

Das Burgencafé bei den Manderscheider Burgen, Eifel

Innenansicht Burgencafé Manderscheid, Eifel

Gemütliches Burgencafé bei den Manderscheider Burgen, Eifel

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